OWL Halbmarathon Meisterschaft Volkslauf Minden

OWL-Halbmarathonmeisterschaft in Minden

Dienstag, August 27, 2013Alex Andra

Die Tage vor dem Wettkampf waren sehr emotional. Ich habe drei mal täglich auf die Wetterprognose geschaut und am Anfang der Halbmarathon-Woche als es hieß, dass die Temperatur bis auf 27 Grad steigen würde, habe ich ein trauriges Gesicht gezogen. Lustlos stieg ich am Montag in die Laufschuhe und wirre Gedanken überschatteten meine montägliche Trainingseinheit. Alles fiel mir schwerer und ich bekam den Kopf nicht frei. Eine Trainingskollegin hat mich nach der Einheit aufgemuntert und erzählte mir von ihrem Halbmarathon-Wettkampf in Minden bei strahlender Sonne in der Marathonvorbereitung. Sie ist leider weit über ihrer persönlichen Bestleistung geblieben, was allerdings keinen Einfluss auf ihre Marathonzeit hatte. Das tat mir richtig gut.
Die letzte Intervalleinheit am Dienstag lief ganz gut. Mein Trainer Gerd G. hat ein Ohr für mich gehabt und gab mir ein paar kleine Tipps zur Taktik. Wir waren uns einig, dass die Startzeit sehr schlecht vom Veranstalter gelegt war. Wenn man bedenkt, dass Läufer bereit sind sehr früh aufzustehen und für den Sport leben, so ist ein Start im Sommer am Nachmittag das Letzte, was man will. Früh aufstehen, Frühstücken und auf zum Wettkampf - so mag ich es ja! Und natürlich sagt der Trainer manchmal, was sein Schützling hören will. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle!

Am Mittwoch habe ich eine Schwimm-Einheit gemacht und am Donnerstag einen regenerativen Lauf.

Der Wettkampftag begann ganz ruhig. Nach einem Müsli-Frühstück habe ich schnell einen veganen Kuchen gebacken, der eine kleine Belohnung für die Strapazen und Kilometer der letzten Wochen war. Da ich nach Greif trainiere und er sogar "erlaubt" sich Alkohol zu gönnen, war meine Idee doch nicht die schlechteste, oder?! Das Thermometer stieg zunächst auf 24 Grad und der Himmel war leicht bewölkt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer nicht beim Laufen einzubrechen war da. Mir fielen die Worte meiner sehr guten Freundin ein "Du hast doch noch nie bei Hitze eine schlechte Leistung gebracht". Sollte es denn tatsächlich stimmen?

Um kurz nach zwei machten Matthias und ich uns auf den Weg nach Minden. Matthias war schon um halb elf seine lange Runde von 35 Kilometern gelaufen und ich war sehr froh, dass er Zeit hatte mich zu begleiten. Jedes mal freue ich mich ihn im Ziel zu sehen und mir ein Siegerküsschen abzuholen. Wir packten ein Mountainbike ins Auto und fuhren los. Die Temperatur war auf dem Hinweg zwischen 24 und teilweise 27 Grad. Die Sonne schien und der Himmel war wolkenlos.

In Minden am Weserstadion angekommen haben wir unsere Vereinskollegen Tim, Jan und Stefan getroffen, die auch den Halbmarathon laufen wollten. Zusammen holten wir die Startunterlagen ab und warteten auf den Startschuss. Matthias setze sich ein paar Minuten eher aufs Radel und fuhr die Strecke zum vereinbarten 5 Km Treffpunkt. Ich habe mich entschlossen nur eine kurze Einlaufrunde über einen Kilometer zu machen und ging vorher noch in die Umkleide, um mir die Arme und das Gesicht mit kalten Wasser abzukühlen.

Vor dem Start: Leichte Abkühlung tut immner gut!

Ein schattiges Plätzchen im Weserstadion

Im Startbereich herrschte kein Drängen und ich sortierte mich im vorderen Drittel ein. Pünktlich um 15:50 Uhr ging es auch schon los. Eine halbe Runde durchs Weserstadion und schon ging es raus auf die 21 Kilometer. Die Strecke führte uns auf einen sonnigen Radweg entlang der Weser. Von Schatten gab es keine Spur. Ich lief mit einem Schnitt von 4:56 los und überholte ein paar Frauen auf den ersten drei Kilometern. Bei der ersten Verpflegungsstation schnappte ich mir einen Wasserbecher und schüttete mir das Wasser über den Kopf. Nach Rund vier Kilometern hatte ich schon knapp eine von meinen beiden mitgenommenen Trinkfläschchen leer. Mein Schnitt war mittlerweile bei 4:45. Es war heiß und ich freute mich gleich Matthias zu sehen. Und da war er: strahlend schaute ich zu ihm und tauschte eine Trinkflasche aus. Auf den ersten Kilometern hat man noch viel Kraft über und muss nicht kämpfen. So war es auch bei mir. Doch das änderte sich drei Kilometer weiter. Bei der zweiten Getränkestation nach ungefähr 6,5 Kilometern habe ich mir zwei Becher genommen, mich bei den netten Helfern bedankt und nahm einen Schluck. Dann passierte es: ein stechender Schmerz unterhalb der rechten Rippe!

Tim bei Kilometer 5
Die Federleichte Marianne

Alexa mit Flasche leer - ein "euphorischer" Zuschauer am Rande


Der Schmerz kam sehr plötzlich und ich wusste zunächst nicht was ich machen sollte. Einfach weiter laufen schien mir fast unmöglich. Ich versuchte alle Tricks über die nächsten beiden Kilometer. Ob aufrecht laufen, Handflächen fest zusammen pressen oder tief in den Bauch einatmen. Die Schmerzen gingen nicht weg und ich hatte das Gefühl, dass ich noch zusätzlich Seitenstiche bekomme. Es half alles nichts. Ich freute mich schon darauf, dass ich vor der Wendemarke meine Vereinskollegen sehe, die schon auf dem Rückweg sind und ich sie im Vorbeilaufen anfeuern kann. Jan führte, dann folgten Stefan und auch Tim. Alle unter den ersten sechs Männern. Tim meinte noch zu mir, ich liege auf Platz sieben. Kurz vor der Wende überholte ich noch zwei Damen und zählte die Damen, die mir entgegen kamen. Ich liege auf Platz 4, dachte ich.

Bei der Wendemarke überflog ich die 3. Getränkestation, da ich noch gut ein Fläschchen hatte, nahm ein Gel und wollte unbedingt die vierte Frau einholen. Mein Pace lag bei 4:41 und ich habe noch keine Müdigkeit gespürt. Auf dem Rückweg schnappte ich mir schnell einen Becher und kippte ihn mir wieder über den Kopf. Mein Ziel hieß dritte Frau zu werden. Immer mehr Männer wurden eingeholt und überraschend stand Matthias bei Kilometer 13 an der Strecke. Wiederum habe ich mir eine volle Getränkeflasche reichen lassen und freute mich auf das Zuckerwasser. Elektrolyte Getränke waren an der Strecke Mangelware. Ich hatte das Gefühl, dass ich keine Zuschauer an der Strecke sehe und die vielen Läufer die einzigen Lebewesen an der Weser sind. Gelegentlich waren ein paar Radfahrer zu sehen, doch die interessierten sich nicht für den Lauf. Eine Radfahrerin spielte private Begleitung und fuhr einem Läufer vor. Das ist verboten, doch es kontrolliert auch keiner. Matthias hat sich viel abgestrampelt, um rund um die Strecke zu fahren! Gut, dass ich nach zwei Kilometern den Herren überholt habe und mich auf die verbleibenen sechs konzentrieren konnte.

Ein plötzlicher Applaus von drei Zuschauern auf einer Parkband läutete meine "2 Runden um den See" ein - das war meine Stütze die ich von unseren Tempodauerläufen hatte. Meine Beine wurden langsam schwerer, die Sonne brannte und jeder Schritt wurde dementsprechen schmerzvoller. Die vielen Trainings in der Abendhitze haben sich ausgezahlt.Ich habe es gelernt am Limit zu laufen und aus dem Körper noch die letzten Reserven rauszuholen. Mein Schnitt betrug 4:44 und ich konnte noch die vor mir liegende Frau einholen. Ich dachte, sie bricht beim nächsten Schritt zusammen, weil ich nur Knochen sehen konnte. Doch sie konnte noch einen Zahn zulegen und das Tempo konnte ich nicht mitgehen. Kurz vor dem Weserstadion standen zwei Zuschauer und applaudierten. Ich ging drei Schritte, um noch einen großen Schluck Wasser zu nehmen und freute mich auf meinen Zieleinlauf.

Das Stadion glich einem Flohmarkt. Viele Leute tummelten sich auf dem Rasen und nur wenige standen an der Bahn. Ich sah Matthias, der lautstark meinen Namen lief und in die Hände klatschte. Eine Hand voller Zuschauer neben Matthias applaudierte und ich schaute auf meine Uhr. Die "39" wollte ich halten und sprintete ins Ziel. Meine gestoppte Zeit 1:39:28!

Leicht enttäuscht ging ich zum Verpflegungsstand und sah nur ein paar Wasserbecher sowie leere Fassbrause Flaschen. Die Fassbrause war aus und Nachschub gab es nicht. Im Vergleich zu anderen Wettkämpfen eine magere Verpflegung für ein Startgeld von 14€. Teilweise war im Becher an der Strecke auch zu wenig Wasser drin und wie schon geschrieben wurden keine Elektrolyte Getränke gereicht.

Die Ergebnislisteen hingen kurz nach meinem Zieleinlauf schon aus. Platz 6 in der Gesamtwertung der Frauen. Tim und ich haben uns verzählt. Aber das passiert. Die Frage war: wieso bin ich in der Gesamtwertung zu finden? Ich habe mich doch nur für die OWL-Halbmarathonmeisterschaft gemeldet. Eine Liste der Ergebnisse der Meisterschaft hing nicht aus.
Warten auf die Eisbecher

Die Jungs vom TSVE habe ich schnell gefunden und fragte, wie es ihnen ergangen war. Jan hat gewonnen! Wir machten ein Mannschaftsfoto. Ich ging mit Matthias zum Auto und schnappte mir meine Sporttasche. Als ich zu den Duschen ging hörte ich "Siegerehrung" und machte eine Wende. Eine so frühe Siegerehrung? Sehr ungewöhnlich. Das Resultat: Die Ehrung der Damen musste nach der Ehrung der Herren wiederholt werden, weil zunächst keine Dame anwesend war. Tim, Jan und Stefan gewannen die Mannschaftswertung sowohl beim Halbmarathon als auch in der OWL-Meisterschaft. Dieses wurde nicht geehrt.

Unser Sieger vom TSVE: Jan Kerkmann gewinnt den Halbmarathon!

Top: Die "Pötte" nach Hause geholt :-)
Strahlend geht es nach Hause! Die Dusche ruft, der Magen knurrt...

Zwei Tage nach dem Wettkampf merke ich immer noch mein Zwerchfell wo der Krampf war!

Insgesamt kann ich den Wettkampf nicht empfehlen: Keine Zuschauer, schlechte Verpflegung und für einen Wettkampf im Sommer ist die Startzeit ungünstig.


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3 Kommentare

  1. Ein toller Bericht und eine super Leistung!! Ich gratuliere dir (auch wenn du nicht so zufrieden bist....). Ich denke, bei den Temperaturen hast du dich sehr gut geschlagen. Oh, diesen Schmerz unter den Rippen kenne ich, mit "normalen" Seitenstechen nicht zu vergleichen, weil es einfach höllisch schmerzt. Ich konnte aber auch noch nicht herausfinden, was der Auslöser dieser Schmerzen ist...ich hoffe, dir geht es bald wieder besser. LG

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  2. Danke dir!
    Ich habe mir sagen lassen, dass auch Spitzenläufer an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeiten Seitenstiche oder Krämpfe am Zwerchfell bekommen. Das war bei mir auch der Fall. Das Trinken während des Trainings wurde geübt und ich hoffe, dass ich beim nächsten Wettkampf ohne Schmerzen laufen werde. Aber Fakt ist, dass ich es trotzdem irgendwie geschafft habe weiter zu laufen ohne das Tempo raus zu nehmen.

    Mag sein, dass Quatschen, Becher schnappen, Atmen und trinken doch zuviel auf einmal war! :-)

    Viele Grüße,
    Alexandra.

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  3. Auch an dieser Stelle nochmal (außer im Kmspiel) kräftige Congratulations zu der super Zeit unter erschwerten Bedingungen! Ich schreibe dies mit etwas Ungeduld, wie es danach weitergegangen ist mit der M-Vorbereitung ... hoffe alles ok bei dir? Matthias sammelt ja fleißig KMs, und du - hoffentlich gesund?

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